Symptothermie

Ist die Symptothermie zuverlässig? Was die Wissenschaft wirklich dazu sagt

Symptothermie – ist sie zuverlässig?

Ist die Symptothermie zuverlässig? Was die Wissenschaft wirklich dazu sagt

Ja. Und die Wissenschaft bestätigt dies. Richtig erlernt und regelmäßig angewendet gehört die Symptothermie zu den am gründlichsten untersuchten Methoden zur Zyklusbeobachtung. Ich wollte sie Ihnen auf einfache Weise erklären, mit den Zahlen aus den Studien im Blick, ohne etwas überzubewerten.

Zuverlässig, ja, und wie jede Methode auf ihre Weise

Zunächst einmal eine ehrliche Klarstellung: Keine Verhütungsmethode ist zu 100 % zuverlässig, nicht einmal die dauerhaften Methoden. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen und eine Wirksamkeit, die zum Teil davon abhängt, wie man sie anwendet. Das gilt auch für die Symptothermie, und das ist ganz normal.

Das Besondere daran ist, dass sie auf Beobachtung basiert. Je regelmäßiger und sorgfältiger Ihre Beobachtungen sind, desto genauer gibt sie Aufschluss. Ein großer Teil ihrer Zuverlässigkeit hängt also von Ihnen ab, und das ist doch eine schöne Sache.

Eine kleine Anmerkung zum richtigen Lesen der Zahlen

Um Verhütungsmethoden miteinander zu vergleichen, wird ein gemeinsamer Maßstab herangezogen. Dabei wird untersucht, wie viele von 100 Frauen, die eine Methode ein Jahr lang anwenden, eine ungeplante Schwangerschaft erleben. Je niedriger diese Zahl ist, desto zuverlässiger ist die Methode.

Und es gibt immer zwei Zahlen – das sollte man im Hinterkopf behalten. Die erste steht für die Methode, die perfekt und genau nach Anleitung angewendet wird. Die zweite für den Alltag mit all seinen Unwägbarkeiten. Um es mit einem kleinen humorvollen Vergleich zu verdeutlichen: Es ist der Unterschied zwischen dem Kuchenrezept auf dem Foto im Kochbuch und demselben Kuchen, der an einem Abend unter der Woche aus Ihrem Ofen kommt. Beides ist Kuchen, nur sehen sie nicht immer gleich aus.

Die Zahlen zur Symptothermie

Die Referenzstudie begleitete 900 Frauen über Jahre hinweg und umfasste fast 18.000 Zyklen. Sie befasste sich mit Sensiplan, der am gründlichsten untersuchten deutschen symptothermischen Methode, die in Europa zum Maßstab geworden ist. Es handelt sich um eine der fundiertesten Studien zu diesem Thema, und hier sind die Ergebnisse.

Wenn die Methode konsequent befolgt wurde und Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen vermieden wurde, kam es bei 200 Frauen pro Jahr zu weniger als einer ungeplanten Schwangerschaft. Das ist sehr wenig und vergleichbar mit den wirksamsten Verhütungsmethoden.

Im Alltag lag die Zahl unter Berücksichtigung aller Unwägbarkeiten bei etwa 2 von 100 Frauen pro Jahr. Das ist für den täglichen Gebrauch immer noch ein sehr gutes Ergebnis.

Eine letzte Zahl verdeutlicht alles andere: Wenn an den fruchtbaren Tagen ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfand, kam es logischerweise zu mehr Schwangerschaften. Das ist eine wertvolle Information, kein Vorwurf: Die Symptothermie zeigt Ihnen Ihre fruchtbaren Tage an, und Sie entscheiden selbst, in voller Kenntnis der Sachlage, was Sie damit anfangen.

Und das geht nicht nur aus einer einzigen Studie hervor

Eine einzelne Studie reicht nie aus, um sich einer Sache sicher zu sein. Deshalb haben Forscher alle vorhandenen Studien – insgesamt 53 – zusammengetragen und verglichen, um die seriösen davon herauszufiltern. Ihre Schlussfolgerung deckt sich mit der ersten: Unter allen Methoden zur Zyklusbeobachtung gehört Sensiplan zu den wirksamsten.

Dieselben Forscher fügen eine ehrliche Anmerkung hinzu: Nicht alle Ansätze sind gleichwertig, und manche vernetzten Geräte geben vor, zuverlässig zu sein, ohne tatsächlich geprüft worden zu sein. Ich möchte Ihnen das lieber ganz offen sagen, denn entscheidend ist nicht das Werkzeug, das man verwendet, sondern die Qualität der täglichen Beobachtung.

Vergleichen wir mal, das macht es anschaulicher

Um die Symptothermie im Vergleich zu anderen Verhütungsmethoden einzuordnen, finden Sie hier eine Übersichtstabelle. Die Zahlen geben die Anzahl der Schwangerschaften pro 100 Frauen innerhalb eines Jahres an: links bei perfekter Anwendung, rechts bei typischer Anwendung. Je niedriger die Zahl, desto zuverlässiger ist die Methode.

Methode Perfekte Verwendung Alltägliche Verwendung
Implantat 0,05 0,05
Hormon-Spirale 0,2 0,2
Kupferspirale 0,6 0,8
Pille 0,3 9
Symptothermie (Sensiplan) 0,4 1,8
Reine Temperaturmethode 1
Billings-Methode (nur Zervixschleim) 0,5 bis 3 10 bis 24
Feste-Tage-Methode (Kalender) 5 12 bis 24
Ogino-Methode (Berechnung) 4 27
Kondom (äußerlich) 2 13
Abhebung 4 20
Keine Methode 85 85

Zahlen gemäß der Weltgesundheitsorganisation (2011), der französischen Gesundheitsbehörde „Haute Autorité de Santé“ und der Frank-Herrmann-Studie (2007) zur Symptothermie. Die Werte variieren je nach Studie und Bevölkerungsgruppe. Die reine Temperaturmethode ist in der gängigen Praxis nur unzureichend dokumentiert (der Strich weist darauf hin), da sie heute fast immer mit der Beobachtung des Zervixschleims kombiniert wird, was einer Anwendung der Symptothermie gleichkommt.

Was diese Tabelle deutlich zeigt: Die sorgfältig angewendete Symptothermie gehört zu den wirksamsten Methoden, und eine ihrer Stärken besteht darin, dass sie zwei Anzeichen miteinander abgleicht, während andere natürliche Methoden nur ein einziges Anzeichen berücksichtigen und daher etwas weniger zuverlässig sind.

Woher kommt also die „98 %“, die man überall sieht?

Diese Zahl ist Ihnen sicherlich schon einmal begegnet. Sie existiert zwar, ist aber eine vereinfachte und gerundete Darstellung der Sachlage. Sie ist nicht falsch, nur weniger präzise. Ich ziehe es vor, Ihnen die tatsächlichen Zahlen aus den Studien zu nennen, die Sie gerade gesehen haben: Sie sagen dasselbe aus, ohne jedoch irgendetwas zu runden.

Und wie sieht es mit der Pille aus?

Dieser Vergleich taucht oft auf. Die Pille ist bei korrekter Anwendung sehr wirksam. Im Alltag hängt ihre Wirksamkeit jedoch – wie bei jeder Methode, die täglich angewendet wird – davon ab, wie regelmäßig sie eingenommen wird. Die symptothermische Methode folgt derselben Logik: Bei konsequenter Anwendung ist sie sehr zuverlässig, bei Nichtbeachtung der Voraussetzungen hingegen anfälliger.

Ein Hinweis, der mir am Herzen liegt: Dieser Artikel soll Sie informieren, nicht dazu dienen, Ihnen eine bestimmte Verhütungsmethode gegenüber einer anderen zu empfehlen. Die Wahl einer Verhütungsmethode ist eine sehr persönliche Entscheidung und sollte gemeinsam mit einer medizinischen Fachkraft getroffen werden, die in diesen Fragen geschult ist und Ihre Situation kennt.

Das Wichtigste ist die Beobachtung

Wenn man nur einen Gedanken mitnehmen sollte: Die guten Ergebnisse der Symptothermie beruhen auf einer aufmerksamen Beobachtung, die Tag für Tag durchgeführt wird und sich auf zwei Anzeichen statt nur auf eines stützt – die Temperatur und den Zervixschleim. Diese Kombination, die als Doppelkontrolle bezeichnet wird, sorgt dafür, dass die Auswertung des Zyklus fundiert und zuverlässig ist. Das ist es übrigens, was Sensiplan von Methoden unterscheidet, die nur ein einziges Anzeichen beobachten.

Eine Anmerkung, die ich für wichtig halte: Alle diese Studien wurden mit Frauen durchgeführt, die geschult und begleitet wurden. Man kann durchaus selbst damit beginnen, seinen Zyklus zu beobachten, und das ist schon ein schönes Abenteuer. Aber eine Anleitung, vor allem am Anfang, hilft sehr dabei, genau zu beobachten und gelassen voranzukommen.

Rechnen Sie mit etwa drei Zyklen, bis Sie sich sicher fühlen und gelernt haben, Ihre eigenen Anzeichen zu erkennen. Und seien Sie beruhigt: Selbst diese Lernphase hat sich in Studien als zuverlässig erwiesen, sofern sie gut begleitet wurde.

Zusammenfassung

Die Symptothermie ist nachweislich zuverlässig – unter einer einzigen, ganz einfachen Voraussetzung: Sie muss gründlich erlernt und regelmäßig angewendet werden. Es handelt sich nicht um ein magisches Versprechen, sondern um eine Fähigkeit, die Sie in Ihrem eigenen Tempo entwickeln. Und sobald Sie sie einmal erworben haben, begleitet sie Sie langfristig: Sie lernen Ihren Zyklus kennen, und dieses Wissen geht nicht mehr verloren.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Symptothermie genauso zuverlässig wie die Pille?

Bei konsequenter Anwendung zeigt sie in Studien eine vergleichbare Wirksamkeit. Im Alltag unterscheiden sich die beiden Methoden jedoch erheblich, und alles hängt von der Regelmäßigkeit der Anwendung ab. Die Wahl sollte mit einem in diesen Fragen geschulten medizinischen Fachpersonal besprochen werden.

Woher stammen diese Zahlen?

Aus einer groß angelegten Studie zur Sensiplan-Methode, an der 900 Frauen und fast 18.000 Zyklen teilnahmen und die anschließend durch eine Auswertung aller vorliegenden Studien bestätigt wurde. Es handelt sich um anerkannte wissenschaftliche Quellen, die am Ende dieses Artikels aufgeführt sind.

Kann man die Symptothermie selbst erlernen?

Man kann alleine anfangen, und das ist schon sehr lehrreich. Die Studien hingegen befassen sich mit Frauen, die begleitet werden: Am Anfang angeleitet zu werden, hilft dabei, die Dinge richtig zu beobachten und selbstbewusst voranzukommen.

Wie lange dauert es, bis man sie gut beherrscht?

In der Regel drei Zyklen – so lange dauert es, bis man lernt, seine Anzeichen zu erkennen. Mit der richtigen Begleitung ist diese Phase bereits zuverlässig.

Quellen

Frank-Herrmann P., Heil J., Gnoth C. et al. „Die Wirksamkeit einer auf Fruchtbarkeitsbewusstsein basierenden Methode zur Schwangerschaftsverhütung im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten eines Paares während der fruchtbaren Phase: eine prospektive Längsschnittstudie.“ Human Reproduction, 2007, Bd. 22, Nr. 5, S. 1310–1319. DOI: 10.1093/humrep/dem003.
Frank-Herrmann P., Sottong U., Baur S. et al. „Natürliche Familienplanung: Sensiplan – eine moderne, zuverlässige Methode.“ Der Gynäkologe, 2011, Bd. 44, S. 17–22. DOI: 10.1007/s00129-010-2659-5.
Peragallo Urrutia R., Polis C.B., Jensen E.T. et al. „Effectiveness of Fertility Awareness-Based Methods for Pregnancy Prevention: A Systematic Review.“ Obstetrics & Gynecology, 2018, Bd. 132, Nr. 3, S. 591–604. DOI: 10.1097/AOG.0000000000002784.
Weltgesundheitsorganisation, Vergleich der Wirksamkeit von Verhütungsmethoden (2011); Haute Autorité de Santé, Dokument zu Verhütungsmethoden (2013).